

MUSEUMS- UND
GESCHICHTSVEREIN
SCHRAMBERG e.V.
Das Jahresprogramm 2004 steht unter dem Thema:
Die Freiherren und Grafen von Bissingen in der Herrschaft Schramberg
Zur Geschichte einer Adelsfamilie des Alten Reiches im mittleren Schwarzwald
Die Herrschaft Schramberg war von 1648 bis 1806 im Besitz der Freiherren und Grafen von Bissingen und gehörte als Lehen des Hauses Habsburg zu den österreichischen Vorlanden im Südwesten des Alten Reiches. Die eineinhalb Jahrhunderte unter den Freiherren und Grafen von Bissingen waren - abgesehen von einer aber nur kurzen Unterbrechung - eine prägende Epoche in der Schramberger Geschichte, deren Erbe wieder entdeckt zu werden verdient.
Aus Anlass seines 25-jährigen Gründungsjubiläums und der Veröffentlichung des Archivinventars des Familienarchivs der Grafen von Bissingen stellt der Museums- und Geschichtsverein Schramberg e.V. die Geschichte dieser Adelsfamilie in den Mittelpunkt des vorliegenden Jahresprogramms und lädt alle Schramberger Geschichtsfreunde zu mehreren Führungen und Vorträgen ein.
Samstag, 10. April 2004
Führung von Carsten Kohlmann M.A.
Die Wappen der Freiherren und Grafen von Bissingen und Nippenburg - Eine Einführung in die Wappenkunde und Wappenkunst der Heraldik
Die Auftaktveranstaltung des Jahresprogramms bietet am Beispiel der Wappen der Freiherren und Grafen von Bissingen eine Einführung in die als Heraldik bezeichnete Wappenkunde. Die Wappen der Freiherren und Grafen von Bissingen, von denen überraschend viele erhalten sind, erzählen einiges über die Vergangenheit dieser Adelsfamilie und sind auch aus kunstgeschichtlicher Sicht teilweise sehr bemerkenswert. Der Rundgang von der Basilika Maria Himmelfahrt über das Schloss bis zur Falkensteiner Kapelle führt vom ältesten vorhandenen Wappen der Adelsfamilie auf einem frühneuzeitlichen Grabmal bis zum heute üblichen Wappen der Stadt Schramberg. Im Rahmen der Führung werden alle vorhandenen Wappen gezeigt, ihre Entwicklung dargestellt und die einzelnen Bestandteile nach den heraldischen Grundsätzen erläutert.
Der Referent ist Historiker und Volkskundler, promoviert an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und wird momentan als Archivreferendar des Landes Baden-Württemberg am Institut für Archivwissenschaft in Marburg an der Lahn ausgebildet. Er ist durch zahlreiche Veröffentlichungen und Vorträge zu lokalgeschichtlichen und volkskundlichen Themen des mittleren Schwarzwaldes und oberen Neckars bekannt.
Treffpunkt: 14.30 Uhr, Eingang der Basilika Maria Himmelfahrt
Freitag, 18. Juni 2004
Vortrag von Günter Buchholz
„Von Urzeiten her zu Prozessen geneigte schrambergische Untertanen“ - Die Untertanenkonflikte in der Herrschaft Schramberg
Die Spuren der Besitzer der Herrschaft Schramberg, die über ihre Untertanen die Gerichts- und Grundherrschaft und teilweise auch die Leibherrschaft ausübten, sind bis heute an vielen Orten unserer Heimat sichtbar: die Burgen, das ehemalige Amtshaus und die ehemalige Bannmühle, die Wappen am Kirchturm der alten Pfarrkirche Sankt Nikolaus und in der Basilika Maria Himmelfahrt. Spuren der Untertanen sind dagegen auf den ersten Blick nicht in ähnlicher Weise sichtbar, sondern liegen in den Archiven verborgen. Die dort überlieferten Quellen lassen die Untertanen zu Wort kommen und zeigen schwerwiegende Konflikte zwischen der Herrschaft und ihren Untertanen, die noch nie ausführlich erforscht und dargestellt wurden. Die Schramberger Untertanenkonflikte zwischen der Herrschaft und ihren Untertanen begannen unter Rochus und Anna Merz von Staffelfelden im 16. Jahrhundert und setzten sich unter Freiherr Johann Friedrich von Bissingen im 17. Jahrhundert fort. Die Untertanen wehrten sich gegen die immer häufiger werdenden Einschränkungen althergebrachter Gewohnheiten mit zahlreichen Beschwerdeschriften und führten langwierige Prozesse gegen ihre Herrschaft. Auch im 18. Jahrhundert ziehen sich die Konflikte zwischen den Freiherren und Grafen von Bissingen und ihren Untertanen wie ein roter Faden durch die Geschichte der Herrschaft Schramberg und hielten bis zum Ende des Alten Reiches an.
In seinem Vortrag wird der Referent auf der Grundlage bereits bekannter und bisher unbekannter Quellen untersuchen, warum die Untertanen trotz harter Rückschläge nicht aufgaben und sich immer wieder aufs Neue mit der Herrschaft auseinander zusetzen wagten. Dabei wird auch die Frage erörtert, ob es Verbindungen zwischen den jahrhundertelangen Schramberger Untertanenkonflikten vor 1806 und dem radikaldemokratischen Aufbegehren der Schramberger Bürgerschaft in der Revolution von 1848 gibt. Könnte man vielleicht sogar von einem historisch bedingten Widerstandsgeist sprechen, der den Schrambergern in dieser Tradition seit Jahrhunderten eigen ist? Der Vortrag wird auf diese spannende Frage zu antworten versuchen.
Der Referent ist Oberstudienrat am Gymnasium Schramberg und Ausschussmitglied des Museums- und Geschichtsvereins Schramberg e.V. Als Lehrer engagiert er sich vorbildlich für Lokalgeschichte im Schulunterricht und hat mehrfach entsprechende Arbeitsgemeinschaften und Wettbewerbsarbeiten betreut. Die Untertanenkonflikte in der Herrschaft Schramberg sind seit langem ein Schwerpunkt seiner Forschungen und Veröffentlichungen.
Der Vortrag findet am Anschluss an die Jahrehauptversammlung des Museums- und Geschichtsvereins Schramberg um 20 Uhr im Kulturzentrum Schloss statt. Die Jahreshauptversammlung kann auch von Nichtmitgliedern besucht werden.
Sonntag, 12. September 2004
Tag des offenen Denkmals
Tag des offenen Denkmals - Baudenkmale der Freiherren und Grafen von Bissingen aus dem Alten Reich
Die Epoche der Freiherren und Grafen von Bissingen ist in der Stadt Schramberg bis in die Gegenwart in einigen Baudenkmalen sichtbar, die am europaweiten Tag des offenen Denkmals in einem Tagesprogramm vorgestellt werden. Der Museums- und Geschichtsverein Schramberg e.V. möchte mit diesem Tagesprogramm dazu beitragen, die Kulturarbeit und das Stadtmarketing auch auf dem Gebiet der Denkmalpflege verstärkt zu profilieren.
Das Tagesprogramm wird am Vormittag mit einer ersten Führung über das so genannte Schlössle eröffnet, das als Amtshaus der Herrschaft Schramberg gebaut wurde und heute von der Volkshochschule als Unterrichtsgebäude genützt wird. Die zweite Führung widmet sich der ehemaligen Bannmühle und berichtet über den Mühlenbann in der Herrschaft Schramberg und die daraus entstandenen Untertanenkonflikte. Die dritte Führung beschäftigt sich mit der Falkensteiner Kapelle und dem Familienbegräbnis der Grafen von Bissingen. Am Nachmittag findet abschließend eine vierte Führung auf dem Schlossberg unter besonderer Berücksichtigung seiner Bedeutung als erstem Wohnsitz der Freiherren von Bissingen in der Herrschaft Schramberg statt.
Es ist möglich, an allen oder auch nur an einzelnen Führungen teilzunehmen.
Treffpunkte:
9.30 Uhr Schlössle (Führung Carsten Kohlmann M.A.)
10 Uhr Bannmühle (Führung Günter Buchholz),
11 Uhr Falkensteiner Kapelle (Führung N.N.)
14 Uhr Schloßberg (Führung Horst Heß).
Architekt Dipl.-lng. Horst Heß, exzellenter Kenner des „Schloss auf dem Schramberg“, Verfasser der ersten umfassenden Darstellung dieses Bauwerks und seiner Geschichte mit eben diesem Titel und einer eindrucksvollen Rekonstruktion, schreibt u.a.: „Erbaut wurde das Schloss auf dem Schramberg nicht von den Bissingen. Im Jahr 1648, nach dem 30-jährigen Krieg, erhielt Freiherr Johann Friedrich von Bissingen Herrschaft und Schloss Schramberg samt Inventar, mit allen Rechten von Erzherzog Ferdinand Karl zu Lehen.
Das Schloss war im August 1633 nach einer Belagerung angezündet worden und ausgebrannt. Der Wiederaufbau erfolgte durch den Bissingen ohne größere Änderungen der Grundkonzeption des Schlosses wie es von Rochus Merz bis 1563 ausgebaut war.“
Herbst 2004
Inventar des Archivs- der Grafen von Bissingen und Nippenburg
Das Archiv der Grafen von Bissingen und Nippenburg ist das „Geschichtsgedächtnis“ der Gemeinden im Einzugsbereich der ehemaligen Herrschaft Schramberg. Bis zum heutigen Tag bewahrt das Adelsarchiv umfangreiche Bestände an Urkunden, Amtsbüchern, Akten, Karten und Plänen, die bis ins 14. Jahrhundert zurückreichen.
Von Herrn Franz Graf von Bissingen wurde dankenswerterweise die wissenschaftliche Erschließung des in Privatbesitz befindlichen Adelsarchivs ermöglicht. Auf Initiative von Herrn Kreisoberarchivrat Bernhard Rüth wurde das Archiv der Grafen von Bissingen und Nippenburg, mit Unterstützung der Stiftung Kulturgut Baden-Württemberg im Archiv- und Kulturamt des Landkreises Rottweil geordnet und verzeichnet. Das von Herrn Archivrat z.A. Dr. Jürgen König (Nürnberg) bearbeitete Findbuch gibt Auskunft über die reichhaltigen Bestände des Adelsarchivs.
Das Archivinventar wird von der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Landkreis Rottweil und der Großen Kreisstadt Schramberg im Druck herausgegeben. Der Erscheinungstermin steht noch nicht fest. Zur Buchpräsentation wird gesondert eingeladen.
zurück
.